Nikolaustag

(Apologies to my non German speaking readers, but this is an entry that I copied from an old blog that I had on another platform. It`s about my childhood experience of the custom of Santa coming on 5th or 6th December with a small gift of the edible kind in Germany, and it can be translated at least semi reasonably here.)

Der 5. Dezember war fuer uns immer einer der spannendsten aber auch schlimmsten Tage des Jahres…

Unser Nikolaus kam immer mit Hans Muff. Obwohl Mama sich bemuehte, das Schreckensbild ein wenig abzuschwaechen, beschrieb Papa graphisch sein Aussehen, den fuerchterlichen Laerm, den er machte, und die harten Strafen die er boesen Kindern zuteil werden liess: “Der haut Euch mit blossen Haenden gruen und blau und setzt Euch dann im Wald aus! Dann muesst Ihr alleine sehen wie Ihr heim kommt!”

“Wie Haensel und Gretel!” rief ich entsetzt. “Nehmt Ihr uns denn dann wieder auf?”

“Das muss ich mir dann schwer ueberlegen,” fiel Mama ein. “ob ich Euch dann wieder rein lasse. Ansonsten bleibt Ihr im Wald bei den wilden Tieren!“

“Ich hab ihn schon gesehen!” sagte Papa, wenn er am Abend des 5. Dezember von der Arbeit kam. “Der hatte einen Sack dabei, der war so gross wie ein Bluemmo, und er bewegte sich. Den wird er wahrscheinlich bei Fuhrmanns an der Ecke lassen, der ist ja jetzt schon viel zu schwer!”

Der Hans Muff hatte immer einen braunen Leinensack auf dem Ruecken aus dem Maedchenbeine mit roter Strumpfhose und Lackschuhen baumelten. “Guck mal, Tina.” sagte Papa dann. “So Schuhe hat doch Li! Hat er sie gekriegt! Und jetzt?”

“Tante Gitti hat schon mal mit einem Bein im Sack drin gestanden!” fing Mama die schlimmste Geschichte an. “Das war vielleicht schlimm! Mit einem Bein stand sie schon ganz im Sack und bruellte: Ich will es nicht mehr tun, ich will es nicht mehr tun! Wir alle haben den Hans Muff angefleht dass er sie gehn liess!”

Oma Hanne und Tante Gitti bestaetigten spaeter dieses grauenvolle Ereignis und schilderten es noch einmal in gluehenden Farben.

Waehrend der 5. Dezember immer naeher rueckten bekamen es Tina und ich immer mehr mit der Angst zu tun.

“Da koennt Ihr mal ueberlegen was Ihr uebers Jahr alles boeses getan habt!” mahnte Mama.

Ich holte mein Kirchen-Gesangsbuch im weissen Umschlag hervor, das letzte Geschenk das ich von Oma Kaethe bekommen hatte. Da ich immer so gerne in ihrem geblaettert hatte, hatte sie mir schliesslich ein eigenes zum Namenstag geschenkt. Es hat einen weissen Umschlag in den ein goldenes Kreuz abgebildet ist. Das war für meine Kommunion, die sie leider nicht mehr mit erleben durfte. Oft hat sie zu Tante Sigrid gesagt: „Ich moechte wenigstens noch Sandras Kommunion miterleben!“ Aber an seinem 38. Geburtstag fand Papa sie tot auf ihrem Sofa. Sie hatte sich nur etwas hingelegt und war friedlich eingeschlafen. Den ganzen Nachmittag lang las ich Tina aus den Kapiteln vor die mit Sterben zu tun hatten. Ich kann mich noch erinnern wie geruehrt Papa war.

“Meinst Du es hilft wenn wir aus dem Buch lesen?” fragte ich Mama angstvoll.

“Du kannst es probieren.” entgegnete sie ernst. “Das Christkind sieht alles, und vielleicht ist es ja noch frueh genug dass es ein gutes Wort fuer Euch einlegen kann!” Also setzte ich mich mit Tina unter den Wohnzimmertisch, las aus dem Buch, oder wir sangen zusammen Weihnachtslieder bis es an der Tuer klopfte.

Wir verstummten schlagartig und lauschten mit angehaltenem Atem wie Mama die Tuer oeffnete. Tiefe Stimmen ertoenten und schwere Ketten rasselten.

“Sandra, Tina!” rief Mama froehlich. “Hier ist Besuch fuer Euch! Ein Herr Muff und ein anderer Mann mit roter Muetze und langem Bart will Euch sehn!“

Angstvoll und mit puddingweichen Knien verliessen wir unser Versteck und kamen zoegernd in die Kueche.

Schon spuerten wir, wie vier Augen uns durchbohrten. Zwei lugten blau und guetig unter weissen, buschigen Brauen hervor. Zwei funkelten unheimlich und wuetend aus zwei Loechern in einer Strumpfmaske heraus. Tina und ich hatten nur Augen fuer den Schwarzen und den Sack, den er auf der Schulter trug. Die Beine haetten wirklich wirklich Li gehoeren koennen, sie waren so klein und duenn, und sie war genau die Art Maedchen die solche Strumpfhosen und Schuhe trug.

Waehrend der dicke Nikolaus mit guetiger und manchmal auch tadelnder Stimme zu uns sprach, rasselte Hans Muff mit den Ketten und hob drohend seine Rute. Selbst als ich nicht mehr an ihn glaubte, wunderte ich mich noch darueber, dass der Nikolaus immer ganz genau wusste was ich das Jahr ueber alles verbrochen hatte. Mein Fahrrad mitten auf der Strasse geparkt. Mit Tina gezankt. Mama nicht beim Abtrocknen geholfen. Meine Puppe kaputt gemacht. Beate nicht mitspielen lassen. Meine Handschrift nicht verbessert.

Obwohl die boese Liste immer viel laenger war als die gute, griff der Nikolaus jedes Mal in den Sack und haendigte uns beiden eine glaenzende Tuete aus. Hans Muff hob protestierend die Rute und rasselte wütend mit seinen Ketten, aber sobald uns die Tueten sicher waren, war unsere Angst verschwunden. Wir vergassen Hans Muff und bedankten uns ueberschwaenglich beim Nikolaus der uns zusammen mit der Tuete noch Aufgaben gegeben hatte wie nett zueinander sein, Mama beim Abtrocknen helfen und weiter fleissig in der Schule sein.

***

Am 6. Dezember kam der Nikolaus noch einmal in die Schule um uns dort auch wieder Tueten zu geben. Einzeln rief er jeden aus der Klasse nach vorne, lobte und mahnte, gab jedoch immer eine Tuete, nachdem er besonders den Ruepeln das Versprechen abgenommen hatte sich im naechsten Jahr ganz bestimmt zu bessern.

Nachdem wir heraus gefunden hatten, dass der Nikolaus nicht echt war, fuehlten wir uns anderen ueberlegen.

“Glaubst Du noch?” fragte mich Ralf der mich sonst immer zankte.

“Nee.” entgegnete ich veraechtlich und der Junge sah mich respektvoll an. Anscheinend hatte er nicht erwartet das ich bereits dem Kreis der Erleuchteten angehoerte.

“Ich auch nicht.” sagte er freundlich. “Seit wann?”

“So seit sieben.” Entgegnete ich. “Und Du?”

Ralf ueberlegte. “So sechseinhalb.” etgegnete er. Natuerlich hatte er mich unterbieten muessen.

Dann kicherte er. “Meinst Du die Anja glaubt noch?” fragte er dann im Fluesterton.

Ich nickte kichernd. “Und der Stefan?”

Und so ging es immer weiter.

Wo wir spaeter darin wetteiferten wer den ersten Kuss, den ersten Freund, die erste Party hatte, gaben wir damals damit an, nicht mehr an den Nikolaus zu glauben. Es war fuer uns ein wesentlicher Schritt in die Welt der Erwachsenen.

“Was ist denn mit der Tina?” fragte Mama mich enttaeuscht, nachdem ich mir bei ihr Gewissheit geholt hatte.

“Ich weiss nicht.” meinte ich. “Ich hab nichts gesagt!”

“Das ist lieb von Dir,” nickte Mama. “Dann sag ihr auch nichts. Tu einfach so wie immer.”

Und ich kam mir wie eine Verschwoererin vor mit unserem grossen Geheimnis.

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